Legende

Wir schreiben das Jahr 1525. Hunger,
Not und Verzweiflung ließen die Menschen
ihre Hand gegen ihre Lehnsherren erheben.
Es war die Zeit der Bauernkriege. Einer der obersten
Feldherren war Truchseß Georg von Waldburg der III. Als Bauernjörg ging er in die Geschichte ein. Im Auftrag des schwäbischen Bundes mußte er an vieler Front die Aufstände niederschlagen. Die Wappentiere, die drei springenden Leoparden, sind noch heute im Landeswappen von Baden Württemberg zu sehen.

Der Zorn der Bauernstände richtete sich gegen alles was truchsessisch war. So auch sein Besitztum zu Essendorf, die Wasserburg Linden, die von ihm als gutes, festes Haus bezeichnet wurde.

In den schicksalhaften frühen Morgenstunden des April zog ein Fähnlein Bauern vor die Burg und verlangte die Herausgabe des auf einer Insel erbauten Gebäudes. Umgeben von den Fluten des Lindenweihers, der künstlich zu einem durchgehenden Burggraben erweitert wurde, standen die Siegeschancen für die Rebellen sehr schlecht. Die Festungsanlage galt als uneinnehmbar. An diesem Punkt enden alle Aufzeichnungen. Nur Legenden und schier unglaubliche mündliche Überlieferungen zeugen von den weiteren Geschehnissen.
Der Sage nach, bekamen es die Wächter der Burg mit der Angst zu tun. Angesichts der Übermacht der Bauern und der angedrohten Strafe bei Nichtherausgabe des Gemäuers, warfen sie den Schlüssel zum Haupttor über die Zinnen hinunter. Die Angreifer drangen ein, plünderten sie aus und steckten die Burg mit ihren inneren Gebäuden in Brand.

Als der Truchseß die Nachricht bekam, daß ein Fähnlein Bauern in seinem Besitztum lag, machte er kehrt und jagte von Ummendorf her kommend hinter ihnen her. Er stellte sie, metzelte sie nieder oder kerkerte sie ein.

Was auch immer aus unseren Freunden den Burgwächtern geworden ist, entzieht sich aller Kenntnis. Die Ältesten von Essendorf erzählen sich dennoch immer wieder Geschichten über den Lindenweiher, das einzige Überbleibsel des damaligen Dramas. Burg und Graben sind heute vergangen und zugeschüttet. Nichts erinnert mehr an die Ereignisse. Die Steine der Burg sind in alle Himmelsrichtungen verstreut und in vielen Gebäuden verbaut worden. In jedem Stein lebt der Geist der Burg weiter. Auch erzählt man sich, daß in rauhen Nächten, wenn Nebel über dem Weiher steht, die Burg schemenhaft über den Fluten auftauchen würde. Schlachtgetümmel und Irrlichter des Burgbrandes werden wohl nur die hören und sehen, die des Herzens rein und nicht nach Erklärung trachten.

Und manchmal in der Fasnetszeit, wenn sowieso alle vermummt und etwas sonderbar gekleidet umhergehen, kann man sie sogar sehen. Die Burgwächter in ihren schwarzen halbgepanzerten Kutten mit blauer Kapuze, die eine häßlich grinsende Fratze verbergen soll. Noch jetzt schimmert das Wasser des Lindenweihers grün und blau in jeder Narbe des Gesichts.

War es List, Feigheit oder Schabernack, nie wird man die Wahrheit erfahren. Nur eines ist sicher: Ärgere nie einen Burgwächter es könnten wahrlich schreckliche Dinge geschehen.........